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Reisevorbereitungen für Polen

Allgemeine Infos

Wer in Polen einfach nur einen Städteurlaub oder Badeurlaub plant, muss so gut wie keine größeren Vorbereitungen treffen. Die neuen Hotels und auch viele neuere Pensionen und Ferienhäuser verfügen über den in Deutschland gewohnten Standard. Wasser aus der Leitung ist in der Regel trinkbar und auch die elektrischen Geräte funktionieren problemlos.

Wer jedoch ein wenig ins Landesinnere fährt, sich in einer älteren Herberge einquartiert kann schon einmal auf die alten Steckdosen treffen. Diese haben einen dritten Pin. Alle mir bekannten neueren elektrischen Geräte können hier jedoch angeschlossen werden. Schmale Stecker stellen eh kein Problem dar.

Wer sich im Grenzgebiet im Osten und Nordosten bewegt, sollte sich die Wasserquelle genau anschauen. In sehr einsamen Gegenden ist das Wasser nicht ungekocht als Trinkwasser zu nutzen. Hier würde ich auch Reisemobilfahrern raten einen Zusatz in das Wasser zu geben. Stand 2020 soll es durchaus im Grenzbereich zu Russland noch Vorkommen von Typhus geben. Das aber wirklich nur in den gänzlich unerschlossenen Gegenden.

Zu beachten sind je nach Urlaubsort und Urlaubsart die Impfempfehlungen für die jeweilige Region. Diese haben wir in einem kleinen Artikel zusammen gefasst.

Unterwegs mit dem Reisemobil

Generell ist es in Polen nicht gerne gesehen, wenn man frei steht. Erst recht nicht in der Hauptferiensaison und in der Nähe von touristischen Attraktionen. Daher sollte man schauen, wo man am besten einen der zahlreichen Campingplätze = Campingu findet. Die offiziellen Plätze sind durchnummeriert. Parallel bieten immer mehr Landwirte = Agro Camping kleine Stellmöglichkeiten auf ihren Höfen an. Wer mit offenen Augen durch die Gegend fährt, wird schnell fündig. Parallel gibt es zahlreiche Internetseiten und Apps, die weiterhelfen. Wer frei steht, sollte niemanden behindern und sich unauffällig verhalten.

Da die Polen sehr gerne zelten bzw. mit dem kleineren Wohnwagen unterwegs sind, ist die Infrastruktur der Plätze oft an dieser Vorliebe ausgerichtet. D.h. die Plätze bieten kleine Stellflächen die für Fahrzeuge bis ca. 7 Meter Länge geeignet sind. Auch in der Feriensaison haben wir immer einen Stellplatz problemlos gefunden.

Im Gegensatz zu deutschen Plätzen, sind polnische Plätze mit jungen Familien belebt. Die Polen sind sehr familienorientiert und treffen sich gerne auch mit Freunden und verbringen auf den Zeltplätzen so gemeinsam die Zeit mit Angeln und langen Abenden am Lagerfeuer und bei Grillen.

Gerne machen die Familien auch mal Party und drehen die Musik ein wenig lauter auf. Uns hat es nicht gestört, da die Kinder (im vergleich zu englischen Campern) echt leise und gut erzogen sind und in den Abendstunden schnell Ruhe einkehrt. Im Gesamten hat uns die Stimmung auf den kleinen Plätzen sehr gefallen.

Jeder kleine Platz besitzt häufig mehrere Feuerstellen, zahlreiche Sitzgelegenheiten für die zeltenden Nutzer, Hängematten und Schaukeln. Oft liegen auch Förmchen und Schaufeln zur freien Verfügung herum. An den Seen kann man in der Regel Tretboote, Ruderboote und Kanus mieten.

Die Ausstattung der Plätze ist dabei sehr unterschiedlich. Von brachial einfach mit Waschgelegenheiten im Außenbereich, gemeinsamen Duschen in einfachster Bauweise und Plumpsklos, bis hin zu top modern und neu haben wir alles vorgefunden. Manche Plätze hatten die komplette Infrastruktur zu bieten, die man mit einem Reisemobil erwartet, andere hatten keine Entsorgung für Schwarzwasser oder Grauwasser. Wer ohne Chemie auskommt, kann das Schwarzwasser häufig in der normalen Toilette entsorgen bzw. in der Trockentoilette.

Ein wenig fragwürdig ist oft die Frischwasseraufnahme aus einem Schlauch, welcher direkt neben dem Grauwassertank hängt. Wir haben da lieber den Frischwassertank mit der Gießkanne aufgefüllt und das Wasser aus dem Waschbereich geholt.

Gerne werden Dusche, WC und Abwaschmöglichkeiten im gleichen “Raum” angeboten. So steht schon mal die Spüle neben dem Waschbecken und der Raum ist der Drehpunkt zu den WCs und Duschen. Nicht immer wird hier nach den Geschlechtern getrennt. Auf so manchen Agrocampingplatz teilt man sich den Raum auch mit Schwalben die über dem Waschbecken schlafen.

Leben mit der Natur gehört für uns beim Camping dazu.

Um so älter die Betreiber – wir standen mehrfach auf Plätzen, welche von Rentnern betrieben wurden – desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass Wlan vorhanden ist. Dafür sind diese Plätze bestens bewacht und es kann schon einmal vorkommen, dass nachts die Duschen abgeschlossen werden.

In Summe hatte bisher jeder Platz den wir gesehen haben seinen eigenen Charme. Auf unserer Reise haben wir kleine Plätze am See bevorzugt. War die Ausstattung nicht so optimal, gab es dafür nette Tiere oder eine besonders gute Badestelle.

Gekostet haben unsere Stellplätze zwischen 50 Zloty (Masuren) und 90 Zloty (Marienburg) also ca. 11-21 Euro die Nacht. Enthalten waren ein Camper mit 6 Metern Länge, 2 Erwachsene, 1 Kind, Duschen. Bezahlt wird hier häufig in bar. Den Preis haben wir gerne in Kauf genommen, da so der Kasten auch immer gut bewacht war, während wir Städte und Attraktionen besichtigt haben.

Wer größere Fahrzeuge fährt was Länge und Höhe betrifft oder besondere Ansprüche an die Infrastruktur stellt, sollte sich vorab erkundigen, ob der Platz geeignet ist.

Im ländlichen Bereich wird freies Stehen oft tolleriert. Der eleganteste Weg ist es einen Landwirt oder Landbesitzer um Erlaubnis zu fragen. Hier bitte kein offenes Feuer machen. Gerade in den Sommermonaten sind die weiten Felder und Wälder stark brandgefährdet. Nutzt hier nur die offiziellen Feuerstellen / Grillhütten, von denen es einige gibt.

Sicherheit

Polen haben wir als sehr sicheres Land wahr genommen. Selbstverständlich gelten auch hier die üblichen Sicherheitsvorkehrungen – Gelegenheit macht Diebe. Also alle Wertsachen mit sich führen und nicht im PKW oder offen im Hotel liegen lassen. Für Reisemobilfahrer hat es sich bewährt an den großen Sightseeing-Plätzen bewachte Parkplätze = strzezony – 24h anzufahren. Diese sind speziell gekennzeichnet. Auf normalen Parkplätzen gilt: Nicht am Rand parken, nicht in der Nähe einer Hecke.

Wer nicht pauschal unterwegs ist, kann sich beim Auswärtiges Amt auf einer Kriesenvorsorgeliste registrieren und zusätzlich eine App / Newsletter installieren. So wird man jeder Zeit mit den aktuellen Informationen zu dem Reiseland versorgt.

Parkgeldautomaten

Mangels Bargeld neigen viele Deutsche dazu die Parktickets nicht zu bezahlen. Dies kann eine Zahlungsauffordeurng mit sich bringen, die man am besten direkt vor Ort zahlt.

Die Ticketautomaten nehmen in der Masse Kleingeld -> siehe bezahlen im Land. Modernere Automaten können auch über die EC Karte abrechnen. Hierzu die EC Karte hinein stecken. Auf der Menuetaste mit + die Parkzeit auswählen und bestätigen.

Super – genau bei uns versagt der Automat seinen Dienst.

Wenn der Automat defekt ist, kann man beim Parkplatzbetreiber anrufen und sich erkundigen ob man stehen darf. Hierzu siehe auch Sprachprobleme. Auf jeden Fall sollte man einen Zettel in den PKW legen, auf dem vermerkt ist, dass der Automat nicht funktioniert mit Uhrzeit und Datum (Maszyna parkingowa nie działa).

Bezahlen im Land

Die Polen haben ein Kleingeldproblem, weswegen man dieses wirklich nur für Parkautomaten, Einkäufe auf dem Markt und sonstige Kleinausgaben nutzen sollte. Oft wird sehr ungern gewechselt.

Bargeld hebt man am besten am Automaten ab oder wechselt dieses in einer offiziellen Wechselstube um. Achtung – auf die Gebühren schauen. Als Richtwert: Wir haben für fast drei Wochen mit drei Personen auf unserer Rundreise rund 500 Euro bares dabei gehabt.

In Polen wird  die EC Karte gerne als Zahlungsmittel gesehen. In der Regel funktionieren die deutschen EC-Karten problemlos. Am günstigsten zahlt man in der Landeswährung. Das bitte beim jeweiligen Kreditinstitut vorher noch einmal abklären.

Straßen und Wege

In den touristischen Gebieten wurde in den letzten Jahren extrem viel in das Straßennetz investiert. Viele Straßen sind nagelneu und gut fahrbar. Um so weiter man sich von den Hauptrouten entfernt, desto schlechter werden die Fahrbahnen.

Was mit dem PKW vielleicht noch gut fahrbar ist, wird mit einem Reisemobil immer schwieriger, wenn man die Federn nicht überstrapazieren möchte. Oft sind wir mit gerade mal 40 km/h vorangekommen, während das Straßenschild gute 90 km/h vorgeschlagen hat. Wir haben bei unserer Fahrt quer durch das Land auf den Landstraßen und Nebenstraßen generell mit 1,5 – 2 Stunden je 100 km geplant.

90 km/h sollen hier möglich sein…..

Wer auf einer Landstraße unterwegs ist, wird auch gleich mit dem polnischen Fahrstil vertraut gemacht. Warum auch immer sind Polen immer in Eile, drängeln, fahren dicht auf, überholen gerne auch mal links und schneiden auch nicht allzu knapp beim wieder einscheren.

Doppelt durchgezogene  Linien sind schön anzusehen, haben ansonsten keine weitere Bedeutung für den heimischen Fahrer und auch uneinsehbare Kurven sind eher eine Herausforderung. Daher heißt es hier besonders aufmerksam sein und lieber einmal mehr abbremsen. In der Regel hat man seine Ruhe, wenn man leicht abbremst, rechts blinkt und den Drängler vorbeilässt. Fahrt bitte nicht rechts ran und macht das Warnblinklicht an, wenn es kein Problem gibt. Wir haben die Bevölkerung als sehr hilfsbereit kennen gelernt und mehrfach wurde abgebremst, zurück gesetzt und uns Hilfe angeboten.

Leider lässt sich anhand von Straßenkarten nicht zweifelsfrei erkennen, in welchem Zustand sich welche Straße befindet. Es gibt Straßen die ungefähr in der Kennzeichnung und Nummerierung den Landstraßen in Deutschland entsprechen – von sehr gut ausgebaut über Schlaglochpiste bis hin zu Natursteinpflaster oder Sandweg war alles dabei. Aktuell würde ich sagen: Um so touristischer erschlossen, desto besser auch die Nebenstraßen.

Viele Straßen und Wege in den Masuren bestehen aus Sand. Diese lassen sich problemlos, wenn auch mit einem Reisemobil langsam fahren. Jedoch sind sie nicht geeignet für große Reisemobile über 7 Meter und auch nicht zwingend für Fahrzeuge mit einer Höhe von über 3,30. Mit unserem Kastenwagen der eine Höhe von 3,20 hat, sind wir überall durch gekommen. Die Bäume an den Straßenrändern auch an den Sandwegen sind gut aufgeastet.

Generell sind die Straßen fast alle mit hohen Bäumen eingefasst. Diese lassen sich so insbesondere an heißen Sommertagen gut befahren.

Und noch eine Besonderheit gibt es. In Polen haben Straßen oft keine Namen, sondern Nummer. Alle Straßen heißen wie der Ort in Kombination mit einer Nummer. Straßennamen gibt es nur in den größeren Orten.

Wichtige Verkehrsschilder

Quelle: ADAC Länderinfo Polen

Straßenkarten

Für alle die einen großen touristischen Ort anfahren wollen, reichen die normalen Reisekarten und z. B. die kostenlosen Karten vom ADAC.

Wer sich auf die Spurensuche nach nicht mehr existierenden Dörfern, Höfen und den Orten der Großeltern begibt, für den sind detaillierte Karten zu empfehlen. Wir haben speziell für Ostpreußen ein Set gekauft, in dem wirklich jeder Weg verzeichnet ist und welche ein Register in Ort Deutsch – Ort Polnisch und umgekehrt haben. Nur so war es uns überhaupt möglich die ganzen kleinen Orte aus den Geschichten der Großeltern zu lokalisieren.

Hier geht es zu unseren Empfehlungen für Straßenkarten und Reiseliteratur.

Urlaubszeit

Im Juli und August ist auch in Polen die Hauptferienzeit. Kein Wunder also, dass es an Meer und an den Seen besonders voll wird. Wer hier eine ungestörte Stelle und Einsamkeit sucht, ist zur falschen Zeit unterwegs. Die Strandregionen verwandeln sich in wahre Vergnügungsmeilen mit Fahrgeschäften, Süßigkeitenständen, Imbiss, Verkaufshallen und allem was zu so einer Partymeile dazu gehört. Hierzu zählen insbesondere die Orte auf der frischen Nehrung. Am Strand drängelt man sich dicht an dicht.

Dem Trubel geht man nur aus dem Weg, indem man gegen den Zyklus reist und wandert. Wer morgens früh aus den Federn kommt, hat gute Chancen so einen Strand ein paar Stunden für sich alleine zu genießen. Gut geeignet sind Montage – wenn der Bettenwechsel statt findet. Auch beliebte Orte wie Leba und die polnische Sahara kann man gut gegen den Strom am Sonntagabend anfahren und morgens ein wenig die Gegend genießen.

Generell sind somit auch die Autonahmen in der Region zwischen Stettin und Frauenburg / Frombork gut befahren und so mancher Stau am Ende des Wochenendes vorprogrammiert. Wer kann, sollte also einen Tag später fahren oder auf die Nebenstraßen ausweichen und die Fahrt genießen.

Kommunikation

Nun ja, die Kommunikation ist nicht immer ganz so einfach, da die polnische Sprache eine ganz eigene Herkunft hat.

In den touristisch erschlossenen Gegenden wird englisch und häufig auch deutsch gesprochen. Um so mehr man in das Landesinnere kommt, desto weniger ist englisch vertreten. Die ältere Generation hat die Sprache nicht gelernt. Die jüngere Generation traut sich oft nicht sie anzuwenden, was auch kein Wunder ist, wenn man die Sprache nicht sehr lange erlernt hat und nicht täglich benutzt. Ist ja in Deutschland nicht anders. Was man nicht täglich nutzt, wird schnell verlernt oder nicht ausgebaut.

Deutsch wird in Masuren im Landesinneren so gut wie nicht gesprochen. Die Sprache wurde nach dem Weltkrieg verboten. Die meisten deutschstämmigen haben damals das Land verlassen, welches dann mit Menschen aus dem heutigen Litaun zwangsbesiedelt wurde. Somit ist keine deutsche Sprachtradition vorhanden. Bei den Älteren gibt es vermehrt im ländlichen Bereich oft auch Skepsis gegenüber Deutschen. Was das Ganze nicht immer einfacher macht.

Somit bleibt einem in den ländlichen Gebieten nichts anderes übrig als mit Händen und Füßen zu gestikulieren, Googel Übersetzer ist sehr hilfreich und das Notfalllexikon am Ende des Reiseführers. Generell hat es sich aber bewährt, wenn man Guten Tag = Dzień dobry, Danke = Dziękuję und Auf Wiedersehen = Do widzenia auf Polnisch kann. Das erleichtert die Ansprache ungemein.

Und nein, Russisch ist keine Option.

Sonstige Informationen

Neben dem Auswärtigenamt stellen z. B. der ADAC regelmäßig kostenlose Informationen auf der Homepage zu dem Reiseland zur Verfügung. Hier erhaltet Ihr auch Informationen zur Einreise von Haustieren, Maut, großen Gespannen, Zollbestimmungen, Corona-Regeln etc.

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