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Kanuwandern auf der Lahn

Eigentlich wollten wir an diesem langen Wochenende im Mai ja wandern gehen, aber warum auch immer waren alle Trekkingplätze ausgebucht, sodass wir auf die Idee kamen Kanuwandern zu gehen. Die obere Lahn kannten wir bereits, da wir hier diverse Tagestouren gemacht haben, aber noch nie sind wir durch den Kanutunnel gefahren. Das wollen wir jetzt ändern.

Wir checken um ca. 12 Uhr bei Kanu-Tours-Weilburg in Weilburg direkt am Schwimmbad ein. Laden unser Gepäck an der Kanu-Station ab und bringen schnell noch das Auto weg. Dieses stellen wir auf dem Bahnhofsgelände in der Nähe ab. Für einen Euro je Tag kann man hier stehen. Ein Wochenticket kostet fünf Euro. Der Parkplatz ist ideal, denn zum Ende der Tour werden wir mit der Regionalbahn zurückfahren und müssen so nicht mehr lange mit dem Gepäck laufen.

Für die Kanuwanderung ab vier Tagen haben wir vorher bei Kanu-Tours-Weilburg einen Preis erfragt. Für lange Strecken gibt es in vielen Fällen einen Rabatt. Außerdem konnte uns vorab der Inhaber Mario verraten, wie wir die Strecke am besten einteilen und war uns bei der Campingplatzsuche behilflich, denn natürlich waren auch an der Lahn die Plätze ausgebucht. Erstaunlich, denn als Wanderer musste man noch nie im Voraus buchen. Nach einigen Hin und Her konnten wir drei Plätze finden. Der erste Übernachtungsplatz leider viel zu nah an unserem Startpunkt, was uns am zweiten Tag noch ein wenig Freude bereiten wird.

Strecke Weilburg-Weilburg – 4 km

Nach einer kurzen Einführung in die Schifffahrtszeichen werden wir mit Schwimmwesten ausgestattet. Das angedachte zweier Kanu ist ein wenig klein für uns und unser Gepäck, aber es gibt noch ausreichend viele dreier Kanus, sodass wir unkompliziert auf das größere Modell wechseln. Schnell noch die Taschen verstaut und schon geht es los.

Wie schon erwähnt, liegt der Zeltplatz für die erste Nacht bedauerlicherweise auch in Weilburg, und zwar direkt hinter dem Kanutunnel. Da wir diesen in knapp einer Stunde erreichen würden und erst noch ein wenig üben möchten, paddeln wir rund zwei Stunden die Lahn gegen den Strom hoch und wieder herunter, bevor wir in den Tunnel einbiegen.

Direkt hinter dem Tunnel liegt die erste Schleuse – wir haben Glück. Die Kanuten in der Schleuse haben Zeit und warten auf uns. Somit kommen wir heute in den Genuss geschleust zu werden und dürfen im Kanu sitzen bleiben. Im oberen Bereich der Lahn bis Runkel gibt es keine Schifffahrt und die Schleusen werden allesamt mit der Hand bedient. Bei jeder Schleusung müssen ein bis zwei Personen aussteigen, das Wasser einlassen, Schleusentor Nr. 1 öffnen, alle Boote einlassen, Tor Nr. 1 schließen, Wasser ablaufen lassen, Tor Nr. 2 öffnen und wieder schließen. Der ganze Vorgang dauert rund eine Stunde.

Da die Kanus nicht besonders viel Tiefgang haben, ist jeder Ein- und Ausstieg eine sehr wackelige Angelegenheit, vor der ich einigen Respekt habe. Schnell verliert man das Gleichgewicht und ehe man sich versieht, dreht sich das Boot und Mannschaft und Ladung landen in der Lahn. An sich in den meisten Fällen kein Problem, wenn man daran denkt aufzustehen. Die Lahn ist oft nur 50 cm tief, aber nass ist nass und das ist ein Zustand, den wir auf der Kanuwanderung nicht brauchen können. Denn unser Gepäck ist äußerst knapp bemessen.

Die erste Schleusung verläuft ohne Probleme und so steuern wir den ersten Campingplatz an, welcher sich direkt gegenüber befindet.

Der Jugendzeltplatz Hauseley

Der Jugendzeltplatz Hauseley ist idyllisch gelegen und lässt sich kurz mit dem Begriff „sehr naturnah“ beschreiben. Es gibt satte grüne Wiesen, welche von Laubbäumen gesäumt sind. Mehrere Feuerstellen und Grillplätze. Ein Toilettenhäuschen und zwei Spülstellen mit kaltem Wasser. Für die rastenden Kanuten gibt es gepflegte Dixi-Klos. Kohle für den Grill muss man selbst mitbringen. Holz für Lagerfeuer findet man mit ein wenig Glück im Wald.

Wir entscheiden uns für ein Plätzchen in der Nähe eines Grillplatzes, da wir an diesem ersten Abend Würstchen mit Kartoffelsalat eingeplant haben.

Fix ist unsere Hundehütte aufgebaut. Der Boden ist weich und die Heringe lassen sich einfach in den Boden treten. Schnell noch das Zelt eingerichtet und schon gehts ans Grillen.

Kohle haben wir mit dabei. In Finnland haben wir vor einiger Zeit ein „Zauberpack“ gekauft. Das sind Kohlen nebst Anzünder in einer dicken Papiertüte, welche ebenfalls als Anzünder dient. Leider will das Paket bis auf das Papier nicht so zünden, wie wir uns das vorgestellt haben. Zum Glück haben wir einen Feststoffkocher mit dabei. Mit ein wenig Benzin können wir dem Feuer nachhelfen und schon nach wenigen Sekunden lodert ein schönes Feuer.

Gegessen wird mangels Sitzgelegenheiten im Kanu. Zudem wimmelt es außerhalb von Ameisen. Von den kleinen Insekten haben sich hunderte auf unserem Zelt verteilt. Vermutlich haben wir unser Nachtquartier genau auf ihrem Bau errichten, wofür uns auch nachträglich noch einmal aufrichtig entschuldigen.

Aus der geplanten Lagerfeuerromantik wird heute leider nichts. Bereits um 20 Uhr sind wir so müde, dass wir uns in unsere Schlafsäcke kuscheln. Wir lauschen noch ein wenig der Musik unserer Zeltnachbarn, bis uns die Augen endgültig zufallen.

Strecke Weilburg-Runkel – 26 km

Ach ne, wie sollte es anders sein – pünktlich um 7:30 Uhr fängt es an zu regnen. Unser Problem: Das Zelt ist so klein, dass wir unser Gepäck draußen unter dem Kanu gelagert haben und nun nicht dran kommen, ohne nass zu werden. Wir rechnen hin und her, wie lange wir heute wohl für die vor uns liegende Strecke von 26 km benötigen werden und versuchen abzuleiten, wie lange wir noch im Zelt bleiben und auf Sonne hoffen können. Es hilft alles nichts. Wir müssen packen – im Regen.

Ein Glück hat Herr Sohn am Abend seine Anziehsachen in den Kompressionssack des Schlafsacks gepackt, um diesen als Kopfkissen zu nutzen. Somit kann er sich in der 1 x 2 Meter großen Hundehütte anziehen, herausgehen und die Taschen der Reihe nach angeben. Besonders wichtig ist uns, dass die Schlafsäcke und die Schlafanzüge nicht nass werden, denn feuchte Sachen wärmen nachts nicht und es gibt voraussichtlich keine Möglichkeit diese heute noch zu trocknen.

Während Herr Sohn sich draußen schnell Regensachen anzieht, packe ich im Zelt die Schlafsachen ein, ziehe mich selbst regenfest an. Schnell noch ein Frühstück in der Hundehütte, welches eher dürftig ausfällt. An Kaffeekochen ist gar nicht zu denken und im Liegen isst es sich ehrlich gesagt nicht besonders gut. Somit packen wir auch den Rest zusammen, beladen das Kanu und machen uns auf in Richtung Runkel.

Die Strecke heute ist mit 26 km besonders lang, da die von uns eigentlich angedachten Übernachtungsplätze Odersbach und Gräveneck ausgebucht waren und wir weiter Flussaufwärts nächtigen mussten. Nicht wirklich optimal, aber bei schönem Wetter mit vielen Pausen durchaus machbar. Für die Strecke benötigt man ungefähr 6-7 Stunden. Hinzu kommen Pausen und Schleusungen.

 

Bei dem schlechten Wetter sind am Vormittag nicht wirklich viele Menschen unterwegs, so dass wir zum ersten Mal alleine eine Schleusung koordinieren müssen. Ganz schön aufregend, wackelig und glitschig. Eigentlich das Letzte, was wir im Moment heute früh noch brauchen. Herr Sohn meistert die Herausforderung mit dem Ein- und Aussteigen und dem Schleusen jedoch hervorragend. Mich kostet das Gewackel ehrlich nur Nerven.

Leider hat der Wettergott heute einen von der Wetter-App abweichenden Plan. Bis zur Schleuse in Villmar regnet es konstant durch. Die Motivation geht gegen Null. Die Hände sind aufgeweicht und schrumpelig. Es ist kalt-nass. Die Kraft schwindet, da die Bewegungsabläufe ungewohnt sind und wir auf der Strecke ob des Wetters keine Rast machen konnten. Und so wird unser kleines Frühstück und die nicht vorhandene Pause mit richtig schlechter Laune quittiert.

Die Laune so düster wie das Wetter.

Während an uns gut gelaunte Familien vorbei paddeln, schreien wir uns an, da die Koordination auch nicht mehr so richtig zu funktionieren scheint und wir nicht in der Lage sind, die vorletzte Schleuse sauber anzufahren. Nebenbei kommen noch diverse Themen zwischen Teenie und Eltern auf den Tisch. An dem Punkt hat sich definitiv jeder von uns ein eigenes Kanu oder einen schönen trockenen Platz auf dem heimischen Sofa gewünscht. Aber als ob der Wettergott dann doch Erbarmen mit uns hatte, hört es endlich final auf zu regnen. Wir raufen uns noch einmal für die letzten drei Kilometer zusammen und erreichen bei schönstem Sonnenschein den Campingplatz in Runkel.

Einfach mal kurz pausieren und die Sonne genießen.

Beinahe wären wir am Wehr noch gekentert, da wir uns von einer wunderschönen weißen Hausgans ablenken lassen haben und dabei irgendwie ungünstig in die Strömung reingeraten sind.

Lahntours-Campingplatz Runkel

Es gibt eine kleine Anlegestelle unterhalb des Platzes. Mit letzter Kraft heben wir das Kanu aus dem Wasser auf den Anleger hoch. Räumen das Gepäck aus, damit wir überhaupt in der Lage sind das Kanu über eine Treppe hoch auf die Wiese zu tragen. Holen das Gepäck nach und melden uns erst einmal an.

Der Campingplatz in Runkeln ist ein echt netter quirliger Platz den sich Kanuten und Wanderer mit Zelt und Wohnmobilbesitzer teilen. Alle haben hier irgendwie den gleichen entspannten, unkomplizierten Spirit. Man kommt schnell ins Gespräch und hilft sich. Eine wirkliche Struktur auf dem Platz gibt es nicht und nach und nach wird jeder kleine freie Fleck der großen Wiese mit Zelten besetzt. Wir schleppen unser Kanu an eine freie Stelle und bauen rasch die Hundehütte auf.

Der Lahntours-Campingplatz versucht naturnah zu bleiben. Es gibt kein W-Lan, dafür aber einen sehr sauberen Sanitärkomplex und ein italienisches Restaurant. Dieses steuern wir hungrig und unterzuckert wie wir sind auch direkt an. Leider sind alle Tische reserviert. Ein älterer Herr in einer Sitzecke erkennt unser Problem und bietet uns einen Sitzplatz in der Sofaecke an. Netterweise lässt sich der Wirt darauf ein, uns hier auf dem „Sofa“ zu bedienen. Und so steht nach wenigen Minuten eine große Cola vor uns und eine leckere Pizza. Mit dem älteren Herren kommen wir schnell ins Gespräch und unterhalten uns kurzweilig über Gott und die Welt. Zum Abschied bekommen wir noch den Hinweis auf eine der besten Eisdielen der Region.

Nach den Anstrengungen des Tages ist trotz der Pizza immer noch Platz für ein Eis. Wir machen uns auf den Weg. Nur wenige Minuten sind zu laufen. Vorbei an historischen Häusern, den dicken Burgmauern, dem Wehr an dem die DLRG versucht einen Baumstamm zu retten. Leider sind wir zu spät. Das Eiscafé Mancuso hat bereits geschlossen. Nun gut, ein Grund mehr noch einmal nach Runkel zu fahren. Denn der Ort ist wirklich pittoresk.

Immer noch eishungrig beschließen wir den Supermarkt anzulaufen und uns hier zudem mit etwas Milch für das Frühstück einzudecken. Der kleine Markt hat alles was man so benötigt und sich mit seinen Öffnungszeiten an dem Campingplatz orientiert. So kann man hier auch Sonntags für ein paar Stunden einkaufen gehen. Neben dem Supermarkt gibt es eine Bäckerei. Beide Geschäfte liegen keine fünf Minuten vom Zeltplatz entfernt.

Wir kehren zu unserem Zelt zurück. Mittlerweile sind noch mehr Zelte um uns herum aufgebaut. Wir genießen unser Eis, während der Nachbar mit dem Wohnwagen liebenswerter Weise unser Handy auflädt und mit uns über Skandinavien schwärmt.

Besonders alt werden wir auch heute nicht. Bereits um 20 Uhr krabbeln wir in unser Bett. Trotz der vielen Menschen um uns herum, ist es hier erstaunlich ruhig. Ob es am Sicherheitsdienst liegt, der sich den Platznutzern vorstellt oder ob einfach alle von den Aktivitäten des Tages erschöpft waren?

Strecke Runkel-Limburg – 10 km

Der Morgen ist vielversprechend. Es ist nur leicht bewölkt und so können wir die frischen Brötchen draußen genießen. Während wir das Frühstück auspacken ziehen jedoch wieder Regenwolken auf, so dass wir zwischendrin alles wasserfest verstauen und das Zelt einpacken. Da wir unsicher sind, wie sich das Wetter entwickelt, kochen wir erneut keinen Kaffee. Aber zumindest können wir dann doch in Ruhe essen.

Wir schleppen unser Kanu zum Anleger, beladen es erneut und schon geht es auf in Richtung Limburg. Direkt hinter dem Campingplatz ist die Lahn noch verträumt ruhig, doch schon bald kommen kleinere Schnellen, welche ein weing Abwechslung in die Tour bringen. Wir kommen uns ein wenig vor wie bei Super Mario, wenn man in die Booster hinein gerät.

Nach einer Weile wird die Lahn breiter und ab hier dürfen auch Schiffe fahren. Nun heißt es aufmerksam zu sein. Denn alles was größer ist als wir, hat Vorfahrt.

Die Ufer sind gesäumt von tief hängenden Weiden in denen viele Vögel brüten und ihre Jungen aufziehen. Wir sehen sogar eine Schildkröte, welche sich auf einem alten Baumstamm sonnt. Kurz vor Limburg bekomen wir Besuch von drei sehr neugierigen Gänsen. Leider haben wir für sie keine Leckerlies und ihre Belagerungsversuche bleiben erfolgslos. Notiz für den letzten Tag: Brot einpacken.

Im Vergleich zum Vortag ist die Strecke schnell zurück gelegt. Klar, es sind ja auch weniger Kilometer, aber sie ist auch abwechslungsreicher und ohne Regen macht es auch definitiv viel mehr Spaß auf dem Wasser. Es fällt auf, dass hier auf dem Streckenabschnitt kaum noch Tagestouristen paddeln. Somit ist es am Vormittag richtig ruhig.

In Limburg werden wir von der wunderschönen Stadtkulisse begrüßt. Es lohnt sich auch einmal nach hinten zu schauen bzw. sich mit dem Kanu im Kreis zu drehen, und den Rundumblick zu genießen. Zeit hat man auf dem kurzen Abschnitt definitiv genug um ein wenig zu trödeln. Es geht um die Stadt herum und schon kommen die ICE- und die Autobahnbrücke in den Blick. Hinter diesen Brücken liegt das Camping-Ressourt Limburg. Unser Schlafplatz für diese Nacht.

 

Das Camping Ressort Limburg

St. Moritz war gestern – heute ist Limburg. Wäre die kurze Zusammenfassung für diesen Platz, welcher sich seit diesem Jahr in neuer Hand befindet. Hier trifft sich die Schickeria der Wohnmobilbesitzer und es wird präsentiert, was man hat. Natürlich stehen die XXXXL Camper alle in der ersten Reihe, während sich die Vertreter von Bullis und Co mit den hinteren Plätzen begnügen dürfen. Der Platz ist auf Pseudo Outdoor-Nature-Schick gestylt. Die neuen Lodges sollen dem Besucher das Gefühl von Adventure vermitteln. Jedoch merkt man schnell, dass es nur ein Etikett zum Gelddrucken ist und nicht wirklich jemand mit Herz und naturverbundener Seele dahinter steht. Wer massenhaft Kirschlorbeer pflanzt und WC-Steine verwendet….es ist einach auf der ganzen Ebene nicht rund. Weder in die eine noch in die andere Richtung.

Die Diskrepanz könnte nicht größer sein, als wir von den letzten Tagen ein wenig zerrupft mit unseren Rucksäcken vom Strand an den XXXXL Campern vorbei müssen, bedacht mit leicht pickierten Blicken der Stellplatznutzer. Nun gut, immerhin kommen wir auf diesem Platz in den Genuss eines stylischen Sanitärgebäudes (welches nicht wirklich zweckmäßig ist, aber immerhin direkt neben den 10 Parzellen für die Zelte) und einer Sitzgelegenheit (große Freude!!!!!) am Zeltplatz. Ein Glück stehen wir gemeinsam mit der Natur verbundenen Generation der Camper in der hintersten Ecke, so dass uns unkompliziert mit einem Hammer ausgeholfen wird (der Boden ist steinhart) und man schnell ins Gespräch kommt.

Wir bauen schnell auf und gehen erst einmal ins Parkbad Limburg zum Schwimmen. Das Schwimmbad ist zauberhaft schön in Terrassen angelegt und wirklich einen Besuch wert. Es befindet sich fußläufig keine 400 Meter vom Platz entfernt.

Als wir am Nachmittag zurück kehren, müssen wir feststellen, dass unser schöner Zeltplatz unter dem Baum keine ganz so gute Wahl war. Wir sehen ziemlich beschissen aus. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die Vögel der Umgebung scheinen diesen Baum zu lieben und so ist unser Zelt mit diversen weißen und braunen Flecken überzogen. Wir geben uns geschlagen und beschließen die Reinigung auf später zu verschieben und erst einmal etwas essen zu gehen.

Die Location ist wirklich optisch wunderschön gemacht, aber auch hier passt irgendwie die Struktur der Organisation und die Qualität des Essens nicht wirklich zum Gesamtkonzept. Vielleicht ist dies auch der Anlaufphase geschuldet.

Wie auch die Abende zuvor werden wir auch heute nicht lange aufbleiben. Die Nacht ist durchwachsen. Hatte sich der Verkehrslärm der ICE und der Autobahnbrücke tagsüber im Alltagslärm weg gehört, so war er nachts umso deutlicher zu hören und das eine oder andere Mal sind wir hoch geschreckt, wenn LKWs über die Brücke gedonnert sind.

Strecke Limburg-Diez – 7 km

An diesem Morgen haben wir endlich das Wetter, welches wir uns das ganze Wochenende gewünscht hätten. Es ist sonnig aber nicht zu warm. Dank des Tisches können wir nun gemütlich draußen sitzen und auch den Kocher heraus holen und Kaffeewasser heiß machen.Durch die ausgefallenen Pausen und das faktisch nicht vorhandene Frühstück am zweiten Tag haben wir noch allerhand Essen übrig, welches jetzt irgendwie weg muss. Denn am Ende des Tages muss unser Kram in die beiden Rucksäcke passen. Das „alte“ Brot reservieren wir für die Enten und Gänse. Wir selbst werden heute mit leckeren frischen Brötchen vom regionalen Bäcker versorgt.

Die anderen Kanuten und Radwanderer sind auch schon zeitig wach und so hält man zwischendurch einen Plausch, bevor es für die meisten von uns auf die letzte Etappe für dieses Wochenende geht. Für uns die kürzeste Etappe. Es geht vorbei am Campingplatz in Richtung Stadt.

 

Hier auf dem Abschnitt fahren keine Tageskanuten mehr, da die Schiffahrt zunimmt. Zwar muss man ab und an ran fahren und immer ein wenig aufmerksam sein, aber einen Vorteil hat das Ganze, gemeinsam mit den Schiffen zu fahren – die Schleusen werden nun von Personal bedient. Wir sind scheinbar die Ersten heute morgen. Somit warten wir, bis die Ampelanlage für uns auf Grün wechselt.

 

Hinter der Schleuse geht es genüsslich und ziemlich entspannt weiter. Auf weiten Strecken lassen wir uns einfach treiben und genießen die Natur.

Die Reste von unserem selbst gebackenen Sauerteig-Vollkorn-Brot finden auch noch dankbare Abnehmer. Verzückt beobachten wir die flauschige Großfamilie, die wir leider nicht in Gänze aufs Bild gebracht haben. Noch ein paar Meter und unser Ziel der Campingplatz Oranienstein ist erreicht. Jetzt heißt es nur noch die Slipanlage zu finden. Diese befindet sich hinter der Kurve. Zuvor muss man an zahlreichen Anlegestegen vorbei, welche zum Campingplatz und den privaten Bootsbesitzern gehören.

 

Auf Schusters Rappen geht es zurück

Am Ende angekommen reinigen wir das Boot und stellen es auf der Wiese ab. Wir sind total glücklich, dass wir diese Tour trotz der Strapazen am zweiten Tag bis zum Ende durchgefahren sind und das ganz ohne zu kentern.

Jetzt heißt es umpacken. Alles was wir dabei haben muss irgendwie in die beiden Rucksäcke hinein, denn es liegen noch 3 km Fußweg durch Diez und eine rund 30 Minütige Zugfahrt vor uns. Dank guter Planung und gesegnetem Hunger am Morgen geht gerade so alles auf und die Gewichtsverteilung kommt auch ungefähr hin. (Hieru gibt es einen Beitrag zum Thema Wandern mit Kindern. Was darf wer tragen und wie lange). Schnell noch nach dem Weg erkundigt und schon geht es schwer bepackt weiter.

Vom Campingplatz läuft man einmal quer durch die Altstadt von Diez. Ein wirklich sehenswertes Städtchen. Die Eisdielen und Cafes laden zum Verweilen ein. Da wir aber noch eine Weile bis nach Hause benötigen, entscheiden wir uns gegen eine weitere Rast und eilen zum Bahnhof.

Ja, und was soll man sagen. Wir finden das riesige Gebäude, welches eher nach einem Lost Place aussieht. Es gibt sogar einen Fahrkartenautomaten, aber der nimmt wieder mal nicht alle Scheine, Münzen etc. Voller Verzweiflung versuchen wir ihn mit Geld zufüttern, als die Regionalbahn bereits einfährt. Zu unserem Glück gibt es einen Schaffner, welcher uns heran winkt und uns in den Zug bittet. Er kann tatsächlich die Karten in der Bahn ausstellen. Am Ende stellt es sich heraus, dass wir auch ein Gewinn für ihn sind. Denn wir sind in der Lage ihn mit dem gewünschten Kleingeld zu versorgen und tauschen alles, was möglich ist um. Ehrlich, so ein toller und fürsorglicher Schaffner gehört einfach auf jeden Zug. Denn er hatte wirklich alles im Blick und wusste genau, wo für welchen Fahrgast ein geeigneter Sitzplatz zu finden ist.

In der Bahn fallen wir nur unwesentlich mit unserem Gepäck auf. So werden wir direkt von zahlreichen Mitreisenden befragt. Es entwickeln sich auch hier wieder spannende Gespräche und die Zeit vergeht wie im Flug. Der Bahnhof in Weilburg ist unsere Endstation für diese unsere Reise.

Unser Fazit

Wenn das Wetter mitspielt eine sehr entspannte Abenteuer-Tour mit viel Zeit, um die Seele baumeln zu lassen. Vom Wasser aus bekommt man eine völlig neue Perspektive auf die Städte geboten. Unbedingt empfehlenswert!!!

Und hier noch ein paar Tipps

Die Strecke ist relativ gut zu schaffen, wenn man es irgendwie schafft diese in gleiche Etappen aufzuteilen. Insbesondere die Etappe bis nach Runkel hätte etwas kürzer sein können, wenn wir die ursprünglich geplanten Zeltplätze nutzen hätten können. Ideale Plätze wären Odersbach oder Gräveneck gewesen, damit die zweite Etappe nicht allzu lang ausfällt.

Da das Wetter nicht wirklich planbar ist, nehmt auf einer Kanuwanderung unbedingt Kleidung mit, welche für Sonne und Regen geeignet ist. Denkt auch daran, dass es abends am Wasser sehr kühl werden kann. Wir hatten nachts Temperaturen um die 8 Grad.

Packt genug zu Essen und zu Trinken ein, und plant Pausen in denen ihr auftanken könnt. Gut geeignet sind zum Beispiel Nussmischungen, Trockenobst wie Bananenchips, Rosinen, Mandeln. Sie liefern konstante Energie. Für die gute Laune darf auch die eine oder andere Nascherei nicht fehlen und anbesonders heißen Tagen muss auch etwas salziges mit in den Rucksack.

Wasser von unten und oben – darauf müsst ihr vorbereitet sein und entsprechend alles in wasserdichte Säcke verpacken. Wir haben unsere Sachen nach Themen sortiert. Wie auch schon im Wohnmobil packen wir gerne alles in Stoffbeutel. So gab es je einen Stoffbeutel für persönliche Kleidung. Einen für Schlafsachen + Waschsachen, einen für Essen, einen für Regensachen, einen für die Technik… somit hat man schnell Zugriff auf seine Sachen.

Platz ist ein riesen Thema und natürlich Gewicht. Idealer Weise verbrauchen sich die Lebensmittel bis zum Ende der Tour. Wir waren an zwei Abenden essen, da wir einfach nicht genug Kapazität in Bezug auf das Gewicht hatten. Ansonsten füllen wir bei Touren mit dem Rucksack gerne alles in Zipp-Beutel um. So bleiben die Sachen alle trocken und das Volumen schrumpft von Tag zu Tag. Auch Handys und Co sind gut in den Zipp-Beuten verstaut. Die Beutel kann man nach der Tour auswaschen und weiter nutzen.

Wer kein Zelt besitzt und etwas mehr Geld für Komfort ausgeben möchte, der kann sich auf den Zeltplätzen eine Unterkunft mieten. So gibt es in Runkel ein Tipidorf, in Limburg die Lodges und auf den anderen Plätzen zum Beispiel Fässer zum Übernachten.

Hier mal eine optische Übersicht von unserem Gepäck für die vier Tage

 

Unsere Packliste für die Kanutour

Für Tagestouren

  • Wasserfeste Schuhe*
  • Sonnehut*
  • Badesachen
  • Handtuch* (In allen Größen und Farben findet ihr sie unter dem Link. Ich liebe mein super großes Handtuch)
  • Sonnencreme
  • Insektenschutz
  • Wasserflaschen*
  • Wasserfeste Tasche* (wir setzen auf die stabilen aus LKW Plane) oder alternativ die Tonne des Kanuverleihers nehmen.
  • Toilettenpapier (nicht immer ist genug an den Ausstiegsstellen vorhanden)
  • Müllbeutel
  • Tagesproviant

Für Kanuwanderungen

  • alles, was man für die Tagestour  benötigt
  • Isomatte* (Wir setzen auf feste Isomatten, da denen niemals die Luft ausgeht und man sie überall schnell als Sitzgelegenheit nehmen kann. Von dem empfohlenen Produkt gibt es noch eine mit Alubeschichtung. Diese ist für 3 Jahreszeiten geeignet)
  • Schlafsack
  • leichtes Zelt
  • Taschenlampe / Stirnlampe*
  • Kocher*
  • Kochgeschirr*
  • Wasserbeutel*
  • Kulturbeutel mit kleinen Probenflaschen um Gewicht und Volumen zu sparen. Am besten man einigt sich auf ein Duschzeug, ein Deo etc.
  • Teller und Besteck*
  • Schneidebrett
  • Schneidemesser
  • Spülmittel und Spülschwamm und Abtrocknetuch
  • Wasserichte große Taschen und Beutel (alternativ blaue Säcke, aber die reißen sehr leicht und lassen sich auch nicht so gut tragen)
  • blaue große Müll-Säcke je Person einen (kann man immer mal gebrauchen als Schutz vor Wasser, oder um nasse Sachen besser zu verstauen)
  • feste Schuhe, wenn ihr zurück wandern wollt oder wenn es abends kälter wird
  • Ersatzsocken
  • Ersatz-Shirt
  • Buff
  • langärmeliges Shirt
  • Fleecejacke oder Pulli für abends oder kalte Tage
  • Schlafshirt und eine Hose zum schlafen. Wir nehmen meistens ein normales T-Shirt und eine Sporthose. So kann man im Falle des Kenterns diese anziehen.
  • Regenhose* und Regenjacke
  • Zipp-Beutel*
  • kleine Spanngurte* oder Seil, um das Gepäck zu befestigen
  • Proviant je nach Vorliebe. Wir hatten dabei: Milchpulver, Instantkaffee, Kakao, Käse, Salami, Marmelade, Schokocreme, Butter, Brot, Müsli, Nüsse, Mandeln, Bananenchips, Rosinen, Kekse und für Herrn Sohn eine Motivations-Cola. Für die kleine Pause zwischendurch Apfelsaft in Trinkpäckchen und Cräcker.

 

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